ULC Riverside Mödling, Anja Dlauhy

10.-16.08.2026 | Birmingham, England | Die Europameisterschaften sind die größte Bühne, die die Leichtathletik in Europa zu bieten hat. In Birmingham war mit Anja Dlauhy auch eine Athletin des ULC Riverside Mödling am Start – und das erstmals bei einer Meisterschaft der Allgemeinen Klasse. Nach einer Saison, in der sie sich über die 400 Meter Hürden in die österreichische Spitze geschoben und den österreichischen Rekord gleich mehrfach verbessert hatte, krönte sie ihre Saison mit einem ausgezeichneten 14. Platz bei der EM:

Anja Dlauhy (400 Meter Hürden)

Anjas Weg nach Birmingham: Erst 2024 vollzog Anja den Umstieg vom Siebenkampf auf die 400 Meter Hürden und sammelte mit der U23-Europameisterschaft und den World University Games erste internationale Erfahrung. Dass sich diese Entwicklung 2026 derart rasant fortsetzen würde, war kaum absehbar: Schon in der Halle sicherte sie sich den Staatsmeistertitel über 400 Meter, dazu kam der Titel mit der 4x200 Meter Staffel.
Die Freiluftsaison begann, wie die Hallensaison geendet hatte – mit einer starken Staffelleistung. Als Schlussläuferin der 4x400 Meter Staffel des ULC Riverside Mödling unterbot Anja einen 49 Jahre alten österreichischen Rekord. In dieser Tonart ging es weiter: Bei den österreichischen Vereinsmeisterschaften der Allgemeinen Klasse verbesserte sie ihre persönliche Bestleistung über die 400 Meter Hürden um fast zwei Sekunden auf 55,82 Sekunden und stellte damit zugleich einen neuen österreichischen Rekord auf. Bei einem Meeting mit der 4x400 Meter Nationalstaffel folgte der dritte österreichische Rekord.
Bis dahin hatte sich eine ganze Reihe erfreulicher Leistungen summiert, und die EM-Qualifikation rückte in greifbare Nähe. Beim Liese Prokop Memorial in St. Pölten steigerte Anja ihre Bestleistung über die 400 Meter Hürden erneut deutlich: Mit 54,80 Sekunden verbesserte sie sich um weitere 1,03 Sekunden und erfüllte damit das Direktlimit für die EM in Birmingham. Danach bremsten Oberschenkelprobleme den Lauf der Dinge; die folgenden Rennen lagen nicht mehr auf diesem Niveau – wären im Vergleich zum Vorjahr aber noch immer jeweils persönliche Bestleistungen gewesen. Bei der Generalprobe, den Staatsmeisterschaften, gelang Anja dann noch einmal eine Steigerung auf 54,52 Sekunden – es war ihr fünfter österreichischer Rekord innerhalb von nur zweieinhalb Monaten.

Anjas Bewerb in Birmingham: In Birmingham sind die 400 Meter Hürden auf drei Runden angelegt: Vorlauf, Semifinale und Finale. Die zwölf schnellsten Läuferinnen der Vorläufe ziehen in das Semifinale ein, aus dem sich anschließend das Finale zusammensetzt. Anja war für Montag, den 10. August, im dritten Vorlauf gemeldet (13:51 Uhr Ortszeit). Das Semifinale ist für Dienstagvormittag, das Finale für Mittwochabend angesetzt.

Montag, 10.08.: Pflichtaufgabe erledigt. Allein, dass wir dieses Statement zu Anja abgegeben können, beweist noch einmal die Entwicklung, die sie in diesem Jahr genommen hat. Sie verpasste zwar als 13. der Meldeliste zwar die Möglichkeit sich den Vorlauf zu schenken. Das gab uns aber immerhin die Möglichkeit Anja einmal mehr auf die Beine zu schauen. Anja war im dritten von drei Vorläufen am Zug. Die Aufgabe für Anja: Laufe eine der zwölf schnellsten Zeit, um dich für das Semifinale morgen zu qualifizieren.
Anja startete ihr Rennen gut aber kontrolliert. An der zweiten Hürden lag sie bereits mit an der Spitze des Feldes. Sie zog ihren Rhythmus auch über die folgenden Hürden durch. In der zweiten Kurve zog die Ukrainerin Viktoriya Tkachuk, ihres Zeichen immerhin Vizeeuropameisterin von München 2022, an ihr vorbei. Anja hielt jedoch gut dagegen und griff auf der Zielgerade noch einmal an. Scheinbar spielend schloss sie die Lücke zur Führenden, übernahm mit der letzten Hürde erneut die Führung und lief nach 55,42 Sekunden als Vorlaufsiegerin über die Ziellinie. In der Gesamtwertung belegte Anja hinter Lena Pressler, der zweiten Österreicherin über 400 Meter Hürden, und der Britin Lina Nielsen den starken dritten Rang.
Nun liegt der Fokus auf der optimalen Regeneration, um morgen Vormittag erneut anzugreifen und ein weiteres ausgezeichnetes Rennen zu zeigen. Anja selbst fasste ihr Rennen im ÖLV-Interview wie folgt zusammen: "Der Lauf hat sich gar nicht so gut angefühlt, weil auf der Gegengerade doch ziemlich Gegenwind war. Das war ein bisschen schwierig für mich, da ich einen 15-er Rhythmus laufe und dann nicht so frequent laufen kann wie sonst. Aber es war sehr solide und kontrolliert und auch am Ende ging es dann, wie zuletzt auch, wieder sehr gut. Über den Laufsieg bin ich natürlich froh. Obwohl am Vormittag noch gar nicht so viele Zuschauer da waren, war die Atmosphäre schon ein Wahnsinn. Es ist etwas ganz anderes als Nachwuchsgroßereignisse, da ist die Nervosität natürlich hoch, aber ich finde, ich habe das heute ganz gut gemacht. Jetzt hoffe ich, dass es morgen genauso geht, nur noch ein bisschen schneller."

Dienstag, 11.08.: Nach nicht einmal 24 Stunden durfte Anja bereits das zweite Mal zurück in das blaue 400 Meter Oval in Birmingham. Es war wieder der dritte Lauf - diesmal jedoch nicht der Vorlauf, sondern das Semifinale. Es ging um nichts weniger als eine kleine Chance zu nutzen sich bei der ersten Europameisterschaft der Erwachsenen für das Finale der besten Acht zu qualifizieren. Trotz vielleicht etwas müder Beine vom Vortag begann Anja ihr Rennen höchstambitioniert. An der zweiten Hürde lag sie auf Position drei und war bereits 0,29 Sekunden schneller unterwegs als am Vortag. Auch wenn die Konkurrenz begann aufzuschließen, ließ sich Anja nicht beirren. An der siebten Hürde war Anja nach 33,41 Sekunden, womit sie bereits über eine halbe Sekunde vor ihrer Vorlaufzeit lag. Sie bog als Sechste auf die Zielgerade ein und kmäpfte verbissen. Sie konnte das Tempo nach wie vor hoch halten und überquerte als Sechste ihre Semifinals die Ziellinie. Mit 55,22 Sekunden konnte sie sich im Vergleich zum Vorlauf um 0,2 Sekunden steigern und die insgesamt drittbeste Zeit ihrer Karriere verbuchen. In der Endabrechnung aller Semifinals finden wir Anja auf den fantastischen 14. Platz. Wieso das fantastisch ist: Letztes Jahr wurde sie ebenfalls bei einer EM, jener der U23-Klasse, insgesamt 28. Nur ein Jahr später duelliert sich Anja mit den besten Langhürdensprinterinnen Europas und wird 14.
Für den Aufstieg in das Finale wäre eine Zeit von 54,49 Sekunden notwendig gewesen. Anja hätte also ihren eigenen österreichischen Rekord noch ein viertes Mal verbessern müssen, um aufzusteigen. Anja selbst sagte zu ihrem Semifinale: "Es war wirklich extrem cool zu laufen und ich habe den ganzen Lauf genossen. Im Vergleich zu gestern bin ich heute sehr gut ins Rennen gestartet, aber die zweite Rennhälfte war diesesmal nicht ganz optimal, auch weil wir heute dort Gegenwind hatten. Alles in Allem bin ich aber sehr zufrieden. Bereits den Vorlauf in den Beinen zu haben ist vermutlich bis zu einem gewissen Grad schon ein Nachteil, aber wir 400m Hürden-Läuferinnen sind vom Training her so eine hohe Belastung eigentlich gewohnt. Für mich war es im Wettkampf eher eine neue Erfahrung, denn ich bin noch nicht oft zwei Tage hintereinander gelaufen, aber ich war nicht müder als gestern."

Was für eine Saison und was für eine EM-Premiere! Du kannst stolz auf dich sein Anja! Und wir sind mindestens genauso stolz auf dich, wenn nicht sogar stolzer!
Und Gratulation gebührt natürlich auch Anjas Trainerin Victoria Schreibeis, die maßgeblichen Anteil an Anjas Entwicklung hat.

Bericht von Raphael Asamer
Fotos von ÖLV/@amri.sports

Ergebnis Europameisterschaft, Birmingham/ENG, 2026
Bericht (ÖLV, Pressekonferenz) Europameisterschaft, Birmingham/ENG, 2026
Bericht (ÖLV, Vorschau) Europameisterschaft, Birmingham/ENG, 2026
Bericht (ÖLV, Tag 1 Vormittag) Europameisterschaft, Birmingham/ENG, 2026
Bericht (ÖLV, Tag 2 Vormittag) Europameisterschaft, Birmingham/ENG, 2026
Bericht (NÖLV, Tag 1) Europameisterschaft, Birmingham/ENG, 2026
Bericht (NÖLV, Tag 2) Europameisterschaft, Birmingham/ENG, 2026
Bericht (NÖN, Vorschau), Europameisterschaft, Birmingham/ENG, 2026
Fotos (Copyright: ÖLV/@amri.sports) Europameisterschaft, Birmingham/ENG, 2026

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